Ratscha – nicht ganz touristische Berg- und Weinregion

Mittlerweile haben wir alle wichtigen touristischen Regionen Georgiens beschrieben, wie zum Beispiel Tiflis, Swanetien, Batumi und Kutaissi. Es gibt aber auch sehr interessante Gegenden in Georgien, die noch nicht touristisch erschlossen wurden. Eine davon ist Ratscha.

Ratscha ist eine Berg- und Weinregion in Georgien und liegt etwa 90 Kilometer nördlich von Kutaissi. Diese Gegend ist relativ unberührt und kann nicht mit Swanetien oder Kasbeghi verglichen werden. Sie hat viel für Wein-, Wander-, Natur- und Bergliebhaber zu bieten und ist ein sehr attraktives Reiseziel für all diejenigen, welche gerne abseits der vielbefahrenen Straßen das Land erkunden möchten und Wert auf Abenteuer sowie einen engen Kontakt mit den Einheimischen legen. Nachfolgend finden Sie unsere Liste mit interessanten Orten und Örtchen in Ratscha.

Ambrolauri und Khvanchkara

 

Ambrolauri ist ein zentrales Städtchen in Ratscha und das Zentrum des Weinanbaus in der Region. Hier gibt es einiges zu sehen, z. B. das Nikortsminda-Kloster, ein typisches Beispiel für georgische Kirchenbauten, sowie diverse Weinkeller und einige Geschäfte des täglichen Bedarfs.

 

Der Wein aus Ratscha, Kwantschkara beziehungsweise Kvanchkara, ist meiner Meinung nach der leckerste der Welt. Die Georgier bezeichnen ihn als schwarz, hierzulande würde man rot sagen. Seine Farbe ist dunkelviolett, fast schwarz und etwa dickflüssiger als üblicher europäischer Rotwein. Der Geschmack ist sehr intensiv – beim ersten Schluck erlebt man eine regelrechte Geschmacksexplosion im Mund. Und noch eine Tatsache macht diesen Wein so interessant. Kvanchkara ist eigentlich ein kleines Dorf, wo zwei Sorten von Weintrauben angebaut werden. Diese zwei Sorten, Aleksandrouli und Mudschuretuli, wachsen auf einer kleinen, begrenzten Fläche von lediglich 903 Hektar. Die Weingüter befinden sich auf 750 Metern über dem Meeresspiegel, 35–40 Kilometer entlang des Flusses Rioni, inmitten hoher Berge. All dies ist notwendig für die Reifung dieser speziellen Traubensorten.

Im Jahr 1907 schickte der Fürst Dimitri Khipiani den Kwantschkara zur internationalen Weinmesse in Belgien und gewann den Grand Prix. Mittlerweile hat der Kwantschkara drei Gold-, vier Silber- und eine Bronzemedaille gesammelt.

Obwohl die Trauben in Kvanchkara wachsen, wird der Wein in Amblorauli produziert, weshalb man dort zahlreiche private Weinkeller findet, wo man neben Flaschenwein auch hausgemachte Erzeugnisse kosten kann.

Natürlich sollte man bei der Gelegenheit die lokalen georgischen Spezialitäten nicht verpassen. Ratscha ist vor allem für Khatschapuri Lobiani (Khatschapuri mit Bohnen) sowie Schinken bekannt.

Schaori-See und Wanderungen

Der Schaori-See ist eine weitere Attraktion in Ratscha. Umgeben von Bergen und inmitten einer wunderschönen Landschaft gelegen, ist er ein interessantes Ausflugsziel für Wanderer und Naturliebhaber. Die zahlreichen Wanderrouten eignen sich sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene und bieten etwas für jeden Geschmack. Als Einstieg eignet sich zum Beispiel der Weg zum Gipfel des Bergs der neun Kreuze, von wo aus man einen atemberaubenden Ausblick auf die umliegende Gegend hat.

Shovi oder Schowi

Schowi

Schowi

Schowi ist ein Luftkurort in Ratscha und ebenfalls ein interessantes Reiseziel. Hier gibt es Mineralquellen, deren Wasser das Immunsystem stärken und Atemwegserkrankungen heilen soll, kalte Bergflüsse und frische Höhenluft. Der Ort war in der Sowjetunion sehr beliebt und wird langsam wiederhergestellt. Momentan trifft man noch hauptsächlich Einheimische und kaum internationale Touristen an, obwohl die Schönheit des Ortes einzigartig ist.

Abgelegene Dörfer und Natur pur

Wer etwas Abenteuer erleben möchte, kann sich aufmachen und die abgelegenen Dörfer besuchen oder einfach loswandern. Leider hat die Industrialisierung auch Georgien erreicht, sodass mehr und mehr junge Leute ihre Heimatdörfer verlassen und ein besseres Leben in den großen Städten oder im Ausland suchen. Die verlassenen Örtchen und Häuser werden nun langsam von der Natur zurückerobert, und man kann diesen Prozess live beobachten. Es kommt einem vor, als würde man eine Zeitreise in die Vergangenheit unternehmen. Bei einer Wanderung in Ratscha, weit weg von der Zivilisation, fühlt man sich vollkommen im Einklang mit der Natur, dem Himmel ganz nah – und vielleicht auch sich selbst.

Übrigens, ich habe meine erste Begegnung mit Ratscha in einem Gastartikel für 1thingtodo beschrieben.

Wenn Sie Georgien auf individuelle Weise entdecken möchten, dann helfen wir Ihnen gerne dabei. Egal, ob Tagestrips oder mehrtägige Ausflüge, Wein-, Gastro- oder Wandertouren (oder alles auf einmal), wir unterstützen Sie. Kontaktieren Sie uns, damit wir Ihnen ein unverbindliches, persönliches Angebot erstellen können.